VIER GRUPPEN MEHR

Wieso der Glandorfer Karnevalsumzug wächst

Von Anke Schneider

Paul Harwerth (rechts) ist begeistert von der neuen Truppe mit dem Namen "Premium", die in diesem Jahr zum ersten mal beim Rosenmotagsumzug dabei ist. (Foto: Anke Schneider)

 

Glandorf. Die Zukunft des Karnevals ist rosig. Zumindest in Glandorf. Beim kommenden Karnevalsumzug am 24. Februar starten 18 Gruppen – das sind vier mehr, als im vergangenen Jahr. Es sind einige neue Wagen dabei. Und die Anmeldefrist läuft noch. Was bewegt junge Leute, erstmalig beim Umzug mitzumachen?

 

Ihr Rosenmontagsdebüt feiern zwei Cliquen um Leon, Felix und Jonas Wöstmann. 40 Mann stark ist die Truppe, die in den vergangenen Wochen einen beachtlich großen Wagen gebaut hat. Auf einen Ballenwagen des Lohnunternehmers Möllenbeck bauten die jungen Leute einen knallgelben Kasten, auf dem der Schriftzug „Total verstrahlt“ prangt. 

Was sie damit aussagen wollen, damit rücken die Jungs nicht so richtig raus. „Die Anti-Atomkraft-Bewegung“ sagt einer. „Haben wir im Internet gesehen und fanden es toll“, sagt ein anderer. Total verstrahlt, so nennt man in dieser Altersklasse umgangssprachlich aber auch Menschen, die gegen den Strom schwimmen.

 

Das kostet ein Wagen

100 Euro hat jeder der 40 Mitstreiter zuvor in die Kasse getan und dann wurde eingekauft. Rund 1000 Euro hat das Holz allein gekostet. Eine Toilette mit einem 200-Liter-Tank gibt es auch. Und eine Musikanlage, die mit 2500 bis 3000 Watt Leistung in Glandorf weithin zu hören sein wird. Der Rohbau ist fertig, ein bisschen Schmuck und ein paar Lichterketten fehlen noch. Gebaut wird in der Scheune des Hofes Wöstmann, die derzeit nicht gebraucht wird.

Wie sie zum Karneval gekommen sind? „Wir wurden angesprochen von älteren Gruppen wie Sonntagsbier", sagt Jannis Börger. Die Jugendlichen sind gespannt, wie es am Rosenmontag laufen wird. Schließlich sind es etwa 3000 Menschen, die den Zug am Straßenrand begleiten. Süßigkeiten werfen die Jungs natürlich auch.

 

Werner-Wagen gegen Dieselfahrverbot

Die Truppe, die sich selbst den Namen „Premium“ gegeben hat, wird nicht die einzige sein, die am 24. Februar um 14.30 Uhr zum ersten Mal dabei ist. „Tobias Raske und seine Kumpels bauen derzeit auch einen Wagen“, sagt Paul Harwerth, der den Rosenmontagszug seit neun Jahren organisiert. Das Motto ist Werner, die Comicfigur von Rötger Feldmann, Künstlername Brösel. Die Gruppe nennt sich GmBh, was nicht „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ heißt. Wer Werner kennt, weiß, dass „GmBh" hier für "Geh mal Bier holen“ steht. Außerdem will das Raske-Team auch das Dieselfahrverbot auf die Schippe nehmen. Man darf gespannt sein.

„Neu dabei ist auch der Bürgerbusverein mit einer Fußtruppe“, verrät Paul Harwerth. Und der Windmühlenverein wird ebenfalls seinen Einstieg feiern. Er kommt mit einem Wagen daher, auf dem eine etwa drei Meter große Windmühle nach dem Vorbild der Mühle in Glandorf stehen wird. Die Gruppe von Paul Harwerth wird in diesem Jahr den Thieplatz aufs Korn nehmen. „Gesundheitszentrum oder Wohlfühloase?“ ist das Motto.

 

Rettung vor neun Jahren

„Es läuft gut“, sagt Harwerth. Er ist mit der Beteiligung am Karnevalszug zufrieden. Vor neun Jahren, als der Familienverband den Umzug aufgab, sah es zunächst so aus, als würde der Karneval in Glandorf sterben. Eine Woche vor Rosenmontag entschloss sich Harwerth, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und suchte nach Gruppen, die den Zug bilden würden. „Da haben sich wirklich alle die Hacken abgelaufen, um noch etwas Schönes auf die Beine zu stellen“, sagt er. Auch die Gemeindeverwaltung habe die Genehmigung auf dem allerkürzesten Dienstweg durch die Instanzen gejagt, so dass der Umzug mit immerhin 14 Gruppen stattfinden konnte.

Dieses Jahr geht es um 14.30 Uhr los mit dem Rathaussturm. Danach fahren die Mottowagen, begleitet von verschiedenen Fußgruppen, durch die Stadt. „Was uns noch fehlt, sind Kapellen und Spielmannszüge“, sagt sich Harwerth. Nach dem Umzug, gegen 16 Uhr, laden die Karnevalisten zur Karnevalsparty in die Halle von Martins Getränkehandel ein.

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